50 Jahre
Generation 2: Aufgewachsen mit dem Familienbetrieb
Zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen gehört das Bild, wie wir zuhause im Wohnzimmer, alle zusammen auf dem Teppich sitzen und Kunststoffteile sortieren. Für unseren damaligen Kunden Junkers, heute Bosch und immer noch Kunde. Samstag Nachmittag war immer Arbeitseinsatz: Trockenofen mit Kunststoffgranulat befüllen, Drehbank sauber machen, Teile sortieren, Angüsse einmahlen (schon damals gabs Rezyklate, die wir wieder verarbeitet haben) – auch glasfaserverstärktes Material. Ihhh, das hat dann fürchterlich gejuckt. Der Teppich ist zwischendurch ins Wohnzimmer unserer Oma umgezogen. Diese hat auch auch immer mitgeschafft. Der Teppich liegt jetzt im Schlafzimmer meiner Tochter und mein Enkelsohn Anton spielt darauf. Und ich sitze hier im Betrieb vor meinem Rechner und lasse mir die neusten Anwendungen von meinen Neffen erklären, damit ich noch lange hier mitmachen kann. Hier ist nämlich auch mein Zuhause. Barbara Bohrer, geb. Buzzi
Während der Schulzeit sind die Samstage Arbeitstage. Der Vater hat sich selbstständig gemacht und produziert jetzt im unteren Stock des Wohnhauses am Häberlesberg Spritzgussteile. Das Loch in der Wand haben wir bereits in Kapitel 1 beschrieben, hier nun im Foto.

Die beiden Kinder Barbara und Michael sind von Anfang an dabei und helfen mit. Michael zieht es zwischenzeitlich nach Tübingen, er möchte Theologie studieren. Nach fünf Semestern kommt er jedoch zurück, Pfarrer sein kann er sich doch nicht so gut vorstellen. Zum Studium „Ingenieursinformatik“ in Furtwangen pendelt er ab 1988 und arbeitet währenddessen Vollzeit zuhause.

Genauso Barbara. Nach dem Abitur 1985 macht sie die Lehre zur Bürokauffrau. Die ideale Ergänzung für den Familienbetrieb. Die Lieferscheine schreibt sie auf dem Apple II. Inzwischen war jede Generation der Apple Computer bei uns in Betrieb.

Als der Platz knapp wird, kommen Garagen dazu. Hermann Wagner spielt eine entscheidende Rolle in der Gesichte unserer Standorte, denn er vermietet uns über die 80er Jahre eine, dann drei, dann sieben Garagen. Unser Nachbar war wahrscheinlich froh, dass die Mühle nicht mehr am Häberlesberg mahlte. „Das machte richtig Lärm“, erinnert sich Barbara.

Die Montage wird über einige Jahre ins Schiltacher Bahnhofsgebäude verlegt und es entstehen fünf „Werke“, übers Städtle verteilt. Manfred Haberer, Mitarbeiter der ersten Stunde, baut den ersten Besprechungsraum aus, in dem wir mit inzwischen 10 Mitarbeiter*innen zusammensitzen.

1991 kommt die alte Säge dazu – unser heutiges Gebäude, ebenfalls von Wagner. Mit 100m Telefonkabel sorgt Michael für den nötigen Kommunikationsfluss zwischen Garagen und Säge.
Das Jahr 1993 bringt viel Veränderung. Hansgrohe baut das „Werk West“ an der Stelle der Garagen, wir ziehen vollständig in die Säge um. Außerdem wird der Familienbetrieb zur GmbH und Michael, frischgebackener Papa, übernimmt offiziell die Geschäftsführung.

Über die 90er Jahre entwickelt sich unser Leistungsspektrum enorm. Der Spritzguss wird durch die CNC-Abteilung ergänzt und Michael entwickelt 3D Fräsmodelle für die angeschaffte Mikron-Maschine, Schweizer Fabrikat, bis heute bei uns für Sonderanfertigungen im Einsatz.

Die Spritzguss-Technologie entwickelt sich rasant und unser Maschinenpark umfasst Ende der 90er-Jahre bereits über 15 hydraulische Arburg Maschinen. Für 180.000 DM wird eine vollelektrische Cincinnati angeschafft, die wegen einigen Software-Bugs und komplizierter Bedienung jedoch die einzige ihrer Art bleibt. Erst im Jahr 2025 haben wir nun wieder eine vollelektrische Arburg bestellt.

Übrigens: Das Theologiestudium hat Michael 2022 nebenberuflich wieder aufgenommen.